Kakunodate – Radtour durch Japan Teil 13

Mit dem erneut einsetzenden Sonnenschein nach dem überstandenen Unwetter ging es nun mit dem Fahrrad weiter in Richtung Westen. Vor uns lag zum Glück nur eine kurze Tour bergab, bevor wir unser nächstes Ziel erreichten: Kakunodate 角館, ein traditionsreicher Ort mit wunderschönen Gebäuden aus längst vergangener Zeit.

 

Im Zeitalter der Samurai

Kakunodate ist keine eigene Stadt, sondern gehört zu Semboku 仙北 in der Präfektur Akita 秋田.

Hierzulande ist Kakunodate auch als „kleines Kyoto“ bekannt. Dies liegt nicht zuletzt mit daran, dass die einstige Burgstadt voller hervorragend erhaltener Häuser aus der Zeit der Samurai ist.

Es gibt ein ganzes Viertel, in dem man diese Häuser betrachten kann. Einige von ihnen kann man sich sogar von innen anschauen! Sie sind entweder wie kleine Museen hergerichtet oder genau so belassen worden wie sie einst waren.

Das Viertel liegt in einer wunderschönen Allee, in der im Frühjahr die Kirschblüten blühen.

Wir haben stattdessen schon einige Bäume in ihrem Herbstgewand gesehen. (Wir waren Mitte September dort, aber im Großen und Ganzen war es noch sehr grün.)

 

Die Spuren des Sturms

Nach unserem Spaziergang durch das Samurai-Viertel waren wir irgendwie sehr erschöpft. Lag wahrscheinlich daran, dass der Tag des Taifuns so anstrengend gewesen war und wir einfach noch ein wenig Ruhe brauchten.

Wir beschlossen also, den Rest des Tages gammelnd (und Pokémon spielend) im Hotel abzuhängen.

Eigentlich buchen wir normalerweise keine Nächte im Hotel, außer es geht nicht anders… warum wir hier eines gebucht hatten, wissen wir ehrlich gesagt gar nicht mehr – wir hatten uns selber darüber gewundert. Aber was Besseres hätte uns gar nicht passieren können! Einfach mal einen Nachmittag / eine Nacht im Hotel zu entspannen ist schon echt toll auf so einer Reise und nicht zu vergleichen mit einer Nacht im Zelt, Manga Café oder Hostel.

Eines unserer zwei Betten. Herrlich!

Unser Hotel (das Hotel Machiya) war außerdem echt schön! Es hat erst dieses Jahr neu eröffnet und hatte für japanische Verhältnisse riesige Zimmer! Wir hatten zwei Doppelbetten und ein großes Bad (das wir prompt zweckentfremdeteten, um unser nasses Zelt trocknen zu können).

 

Das Nachbeben

Nachdem wir entspannt und mit neuer Energie am nächsten Tag aufwachten, wollten wir mit unseren Rädern weiter Richtung Süden aufbrechen. Unser nächstes größeres Ziel war Sendai 仙台, das wir aber nicht innerhalb einer Tagestour erreichen konnten, deswegen standen uns erneut ein paar Tage auf unseren Bromptons bevor.

Der Himmel sieht schon verdächtig bewölkt aus.

Nachdem wir ein paar Stunden gefahren waren, begann sich am Himmel erneut ein Unwetter zusammenzubrauen. Nach kurzer Zeit goss es dann auch in Strömen. Zum Glück haben wir Regenjacke und -hose immer griffbereit!

Als es einfach nicht aufhören wollte zu gießen, schmiedeten wir einen neuen Plan: „Vielleicht sollten wir in die nächstgrößere Stadt fahren um dort in einem Manga Café zu übernachten?!“ Eigentlich wollten wir nämlich zelten… aber nach unserem letzten „Komm, wir zelten jetzt im Taifun-Abenteuer“ hatten wir da für’s Erste nicht mehr so die Lust zu.

Wir suchten also den nächsten Bahnhof raus und fuhren weiter durch den Regen. Leider führte uns das Navi komplett in die Irre und wir landeten mitten auf einem Feld (Was zur Hölle?). Und dann begann der Regen wirklich hart auf uns niederzuprasseln. Wir waren nach nurmehr fünf Sekunden so nass wie noch nie zuvor (ja, auch trotz der Regensachen). Es war echt krass!

In solchen Situationen überlege ich oft, ob das wirklich so extrem ist, wie es sich anfühlt oder ob ich zuvor einfach nie so heftigen Unwettern gegenüber stand. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Was ich aber weiß: es ist furchtbar und wirklich anstrengend in solchen Situationen nicht einfach „nach Hause“ fahren zu können und ein heißes Bad zu nehmen.

Das schlimmste war, dass wir in einem winzigen Dorf waren. Der Bahnhof war nirgends ausgeschildert und es gab keinerlei Möglichkeit, sich irgendwie vor dem Regen schützend unterzustellen. Irgendwann beschlossen wir, eine offen stehende Garage an der Straße zu nutzen und uns einfach da reinzustellen, um dem Unwetter zu entfliehen. Die Eigentümer der Garage haben uns glücklicherweise dort geduldet.

Leider wollte der Regen einfach nicht wieder aufhören und so entschlossen wir uns nach einer Weile (und einer erneuten Online-Suche nach dem Bahnhof) wieder nach draußen zu gehen.

Es sieht nicht so aus, aber es war sehr nass!

Glücklichweise fanden wir den Bahnhof dann auch und dort gab es ein kleines, unbenanntes Haus! Das war zwar auch alles, aus dem der „Bahnhof“ bestand (außer einer einzelnen Schiene), aber oh man, wir waren so erleichtert, dass wir uns dort reinstellen konnten, während es draußen unerbittlich weiter regnete.

Das kleine Haus am Bahnhof, bzw. der ganze Bahnhof. Hätte auch notfalls hier geschlafen.

Nach 1 1/2 Stunden kam dann der Zug und brachte uns endlich ins Warme (aka die nächste Stadt mit Manga Café. YEAH!).

 

Fazit

Kakunodate war toll und herrlich für einen entspannten Spaziergang in die Vergangenheit Japans. Übrigens gibt es dort auch noch Museen zum Thema „Samurai“. Aber… wir waren faul und wollten uns dann doch lieber im Hotel weiter ausruhen.

Wer sich für Samurai interessiert, sollte sich dieses Viertel nicht entgehen lassen! Nirgends sonst in Japan gibt es so viele gut erhaltende Gebäude wie hier.

Wer einen Trip hierher plant und im Hotel übernachten möchte, dem kann ich nur das Hotel Machiya ans Herz legen. Bisher das Hotel mit den größten Zimmern (die außerdem auch sehr schön waren), das wir in Japan gesehen haben (wer ein großes Budget hat, der findet sicherlich auch andere Hotels mit großen Zimmern).

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