Sendai – Radtour durch Japan Teil 14

Endlich wieder tiefe Hochhausschluchten, bunte Menschenmassen und grelle Neonlichter. Willkommen in der Zivilisation und Hallo Großstadtleben!

Wir haben Sendai 仙台 erreicht und damit die größte Stadt in Tōhoku 東北地方, dem nördlichen Teil der japanischen Hauptinsel.

Sendai liegt nahe der Ostküste Japans, dem Ort, der durch den Tsunami und das darauffolgende Erdbeben im März 2011 stark beschädigt wurde. Das Stadtzentrum selbst lag dabei nur etwa 130 km vom damaligen Epizentrum entfernt.

 

Fremde Haare und klebrige Teller

Da wir ein paar Tage in Sendai verbringen wollten, hatten wir uns hier wieder für ein Apartment über Airbnb entschieden (außerdem mussten wir auch dringend mal wieder unsere Wäsche waschen). Diese war auch unsere erste Anlaufstelle!

In dieser Gasse lag die Eingangstür unseres Apartments.

Richtig gut: wir konnten hier sogar schon um 11 Uhr einchecken! Super praktisch, da wir früh in Sendai, der Hauptstadt der Präfektur Miyagi 宮城, angekommen waren!

Nicht so gut: die Unterkunft war… zweckmäßig (um es mal nett auszudrücken).

Auf dem ersten Blick sieht die Wohnung ok aus. Auf dem zweiten Blick dagegen…

Im Bad befanden sich fremde Haare, Gegenstände (UNTER ANDEREM KÜCHENUTENSILIEN!) klebten, überall lag irgendwelches Zeug rum (Packungen mit Strumpfhosen, Schminke, Kleidung…), so als würde da jemand eigentlich leben und wir wären nur gerade zu Besuch. War nicht so schön. Achja: irgendwann fiel dann auch die Balkontür aus dem Rahmen.

 

Moosbewachsene Ruinen über Sendais Dächer

Nachdem wir unsere Sachen ausgepackt und gewaschen hatten, begaben wir uns prompt auf Erkundungstour. Durch die Stadt fährt übrigens der Bus „Loople“, der alle wichtigen Sehenswürdigkeiten der Stadt direkt anfährt! Wir waren aber zu Fuß unterwegs.

Viele Sehenswürdigkeiten in Sendai drehen sich um ihren damaligen Herrscher: Date Masamune 伊達 政宗.

Statue von Date Masamune, dem einäugigen Drachen des Nordens.

Dieser gründete die Stadt im Jahre 1600 und lies zwei Jahre später seine Burg auf dem Berg Aoba 青葉山 errichten, von dem er einen Ausblick auf die ganze Stadt hatte.

Aussicht auf das heutige Sendai.

Von der Burg sind heute allerdings nur noch Ruinen übrig. Sie wurde damals von einem Erdbeben, einem Brand und schließlich durch einen Luftangriff im zweiten Weltkrieg zerstört.

Die Überreste der Burg.

Neben der Burg ist außerdem noch ein schöner Schrein, dem wir ebenfalls einen Besuch abstatteten: der Miyagiken Gokoku-Schrein 宮城縣護國神社.

In Gokoku-Schreinen werden japanische Soldaten und andere Personen des Militärs geehrt, die in Kriegen gefallen sind.

Anschließend holte ich mir an einem kleinen Stand noch ein Taiyaki 鯛焼き, ein Gebäck in Fischform, gefüllt mit leckeren Dingen wie süßen roten Bohnen oder Vanille-Creme!

Taiyaki – ich liebe sie! Frisch gebacken sind sie am besten!

 

Prachtvolle Gräber

Unweit der Burgruinen steht das Grabmal von Date Masamune, der im Jahre 1636 verstarb.

Das Zuihōden-Mausoleum 瑞鳳殿 liegt umringt von riesigen, alten Bäumen und wurde gemäß den Anweisungen von Date Masamune schon zu seinen Lebzeiten in Auftrag gegeben, und ein Jahr nach seinem Tod fertiggestellt. Der Eintritt kostet pro Erwachsenen 550 Yen.

Das Grabmal ist prächtig, farbenfroh und voller dekorativer Details. Es wurde im Stil der Momoyama-Epoche (1573–1603) erbaut.

Auch andere Mitglieder der Familie Date liegen in dem Gebiet begraben.

Die meisten der Gräber wurden im zweiten Weltkrieg zerstört, mittlerweile jedoch detailgetreu nachgebaut.

Ein Museum befindet sich ebenfalls auf dem Gelände, in dem man zum Beispiel persönliche Gegenstände der Familie Date bestaunen kann.

 

Sendai ist gr0ß und wir hätten uns sicherlich noch mehr anschauen können, allerdings fuhren wir im Anschluss schon in unser Apartment zurück, da wir am nächsten Tag früh los wollten. Außerdem wartete abends noch ein Telefonat per Skype mit einer lieben Freundin auf mich 🖤

 

Fazit

Sendai wirkte auf mich letztendlich doch nicht wie die schillernde Großstadt, die ich erwartet, und nach dem ganzen „Landleben“ sogar ein wenig erhofft hatte. Das mag aber vielleicht auch daran liegen, dass unsere Wohnung recht weit ab vom Stadtkern lag und der Vergleich mit Städten wie Tokio 東京 oder Osaka 大阪 hier doch nicht ganz gerecht erscheint. Klar, Sendai ist groß. Aber dieses „Großstadtfeeling“ kam bei mir nicht auf.

Diese Statue erinnert mich irgendwie an Harry Potter… (vielleicht liegt es auch daran, dass ich gerade die Hörbücher höre ( ̄▽ ̄;))

Das Zuihōden-Mausoleum ist aber ein absolutes Muss, wenn man auch nur in der Nähe der Stadt ist! Die Verzierungen sind wunderschön und ich hätte ewig vor dem Grab stehen können, um jedes Detail einzusaugen. Es war noch schöner, als ich es mir vorgestellt habe!

Kansenden 感仙殿, das Grab von Date Tadamune 伊達忠宗, dem Sohn von Date Masamune.

Die Burgruinen fand ich gut, würden alleine aber meiner Meinung nach keinen Besuch der Stadt rechtfertigen. Wenn man aber sowieso schon da ist, wartet hier ein toller Ausblick auf Sendai!

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