Matsushima, Tashirojima und Ishinomaki – Radtour durch Japan Teil 15

Von Sendai 仙台 aus planten wir einen Tagesausflug Richtung Nordosten, um uns zwei unterschiedliche Orte anzuschauen. Letztendlich sind es sogar drei geworden – mehr dazu aber später!

 

Matsushima

Unser erstes Ziel an diesem Tag war Matsushima 松島. Mit dem Zug ging es von Sendai bis zur Station Matsushima Kaigan 松島海岸駅, wo sich alle Sehenswürdigkeiten fußläufig befinden.

Zuerst besuchten wir den Tempel Zuigan-ji 瑞巌寺, der als einer der bedeutendsten Tempel Tōhokus 東北地方 gilt und im Jahre 828 gegründet wurde. Die heutige Tempelanlage wurde allerdings 1609 unter Date Masamune 伊達 政宗 fertiggestellt, dem Gründer Sendais, der größten Stadt der Präfektur.

Auf dem Gelände befindet sich zudem ein kleines Museum, das unter anderem Gegenstände der Familie Date beinhaltet.

Ehrlicherweise… habe ich gar nicht so viele Fotos gemacht. Die Tempelanlage wird momentan restauriert, daher war vieles abgehangen. Außerdem hatten wir uns auch spontan dazu entschieden, eine Bootstour in der nahegelegenen Bucht zu machen, und hatten dann nicht mehr viel Zeit uns alles in Ruhe anzuschauen.

Die Bucht von Matsushima gehört zu den Nihon Sankei 日本三景, oder auf deutsch „den drei schönsten Landschaften Japans“. Ich dachte zunächst, „Ja, die Bucht sieht man doch auch vom Land aus.“, aber das stimmt so nicht ganz: Die Bucht ist wirklich viel besser zu bestaunen, während man eine Bootstour macht.

Die Tour dauert 50 Minuten und kostet 1500 Yen für Erwachsene. Das Pier ist ca. 5 Minuten zu Fuß vom Bahnhof entfernt.

Während der Tsunami im März 2011 tobte und Japans Ostküste sehr in Mitleidenschaft zog, blieb Matsushimas Bucht weitestgehend unberührt, und dies nur dank der über 200 Inseln.

Diese größeren und kleineren Inseln sieht man hier in den unterschiedlichsten Formen, und auf vielen sprießen Kiefern.

Das Wetter an diesem Tag war herrlich und es hat Spaß gemacht, all die merkwürdigen, aus dem Meer herausragenden Felsformationen zu bewundern, während der Wind einem das Haar zerzauste.

 

Tashirojima

Nachdem wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten, nahmen wir sogleich die Beine in die Hand und liefen zurück zum Bahnhof. Wir wollten den Zug zu unserem nächsten Ziel nicht verpassen! Dies sollte heute nämlich nicht unsere letzte Tour über das japanische Meer werden.

Wir fuhren nun also weiter nach Norden in die Stadt Ishinomaki 石巻. Dort sind wir zuerst etwa 30 Minuten zu Fuß zum Hafen, und dort dann an Bord der Fähre der Ajishima Line 網地島ライン in Richtung Tashirojima 田代島 gegangen (die Seite gibt es leider nur auf Japanisch). Das Boot brauchte etwa 60 Minuten bis zur kleinen Insel.

Früher lebten die Bewohner von Tashirojima von der Seidenproduktion, jedoch wurden die dafür so unersetzlichen Seidenraupen stetig von ihrem natürlichen Feind bedroht: der Maus. Daher suchten sich die Inselbewohner Unterstützung. Und wer könnte besser gegen diese Plage kämpfen als Katzen?

Wir haben die Katze „Boss“ getauft.

Heutzutage wohnen immer weniger Menschen auf der etwas abgelegenen Insel, und viele junge Leute hat es längst in die Großstädte gezogen. Die Katzen sind jedoch geblieben und konnten sich immer weiter vermehren. Heute leben hier mehr Katzen als Menschen, weshalb Tashirojima auch als „Katzeninsel“ bekannt ist.

Wer findet die Mücke auf dem Bild?

Wir erreichten die Insel über den südlichen Hafen Nitoda 仁斗田, und wurden dort auch gleich von einem Haufen Katzen begrüßt. Hier sollen sich auch die meisten von ihnen herumtreiben!

Tashirojima ist sehr überschaubar und ländlich. Wir hatten etwa zwei bis drei Stunden für die Erkundung der Insel bis zur Rückfahrt, und diese Zeit reichte vollkommen aus.

Die Wege führten uns oft durch das wilde Dickicht. Einige Gänge waren voller Spinnennetze (inklusive fetter Mörder-Spinnen)!

Wer länger bleiben möchte, kann hier aber auch übernachten – zum Beispiel in einer stilechten Hütte in Katzenform! Gleich mehrere dieser kleinen Häuser stehen in einem Gebiet am südwestlichen Rand der Insel, der sich „Manga Island“ nennt und nahe des Nitoda-Hafen liegt. Aber auch ein Blick von außen lohnt sich.

Die Häuser lagen direkt am Meer! Das und die Katzenform sind Grund genug hier zu übernachten!

Die Katzen sollten übrigens nicht nur die Mäuse von der Insel verjagen, sie gelten auch als Glücksbringer für die Fischerei, weswegen ein kleiner Katzenschrein in der Mitte der Insel erbaut wurde.

Einer Legende zufolge lebte hier einst eine Katze, die den Inselbewohnern durch Wettervorhersagen half, einen Haufen Fische zu angeln. Durch einen Steinschlag wurde diese Katze jedoch getötet. An genau dieser Stelle steht nun der Schrein.

Ich bin ein großer Katzenfreund, aber auch abseits davon fand ich die Insel wirklich toll! Überall gab es kleine versteckte Wege durch das Dickicht, das Rauschen und der Geruch des Meeres war überall um uns herum zu vernehmen, alte Gebäude schmückten die engen Straßen…ich habe mich wie ein Abenteurer gefühlt! Und ja…Katzen überall sind halt auch echt super!

 

Ishinomaki

Nachmittags verließen wir Tashirojima mit der Fähre und fuhren wieder zurück Richtung Ishinomaki. Damit hätte unser Tagestrip nun eigentlich beendet sein sollten, und wir wollten wieder zurück nach Sendai fahren.

Aber schon mittags, als wir die 30 Minuten zum Hafen der Stadt gegangen waren, sind uns all die Plakate, Zeichnungen an Hauswänden und Skulpturen mit Charakteren aus japanischen Manga 漫画 (Comic) und Anime アニメ (Zeichentrickfilme) aufgefallen.

Das weckte direkt unser (vorallem mein) Interesse, und auf dem Weg zum Hafen waren wir tatsächlich auch über ein Manga-Museum (es heißt Ishinomori Mangattan Museum 石ノ森萬画館) gestolpert, das wir dann am späten Nachmittag noch spontan besuchten!

Rechts ist das Manga-Museum. Erinnert mich ein bisschen an die Häuser aus Dragon Ball.

Von außen wirkt das Museum richtig futuristisch, und es fällt durch seine ovale Form schon von Weitem auf! Innen bekamen wir Einblicke in die Werke des bereits verstorbenen Mangaka 漫画家 (Comiczeichner) Shōtarō Ishinomori 石ノ森章太郎, der als Begründer des Sentai-Genres gilt.

Sentai 戦隊 bedeutet „Einsatztruppe“. Kurz gesagt geht es in diesen Geschichten um eine Gruppe von (meistens fünf) Personen, die sich in Kämpfen in eine Art Superheld verwandeln können. Die amerikanische Serie Power Rangers ist beispielsweise ebenfalls vom Sentai-Genre inspiriert.

In dem Museum gab es zu dem Zeitpunkt auch eine Ausstellung von Detektiv Conan (Originaltitel: Meitantei Konan 名探偵コナン), aus der Feder von Gosho Aoyama 青山 剛昌. Der Manga mitsamt einem Anime, in dem es um einen Hobby-Detektiv geht, der aufgrund eines Giftes zu einem Grundschüler geschrumpft wird, ist auch in Deutschland sehr bekannt!

Hachja… irgendwann kann ich das dann sicher auch mal lesen…

Außerdem gab es eine kleine Bibliothek mit Manga im obersten Stockwerk, in der nach Belieben geschmökert werden kann – sofern man denn Japanisch versteht.

Auf dem Weg nach Hause durch Ishinomaki.

Nach unserem Rundgang durch das Museum sind wir dann doch endlich mit dem Zug zurück nach Sendai gefahren.

 

Fazit

Ehrlich gesagt habe ich mir die Bucht von Matsushima viel spektakulärer vorgestellt. Im Vorfeld hatte ich allerdings nur gelesen, dass sie zu den meist fotografierten Orten Japans zählt. Ich habe die Bucht also sofort mit anderen Sehenswürdigkeiten Japans vergleichen, wie prächtigen Tempeln, wunderschönen Gärten oder anderen architektonischen Meisterwerken.

Während unserer Tour durch die Bucht sind wir auch an kleinen Fischerdörfern vorbeigekommen.

Im Nachhinein habe ich erst gelesen, dass die Bucht „nur“ zu den drei schönsten Landschaften Japans zählt und ja… die Bucht ist wirklich sehr beeindruckend und schön. Ob ich ihr diesen Titel nun geben würde, weiß ich allerdings nicht. Trotzdem hat mir die Bootstour durch die Bucht viel Spaß gemacht!

Die Katzeninsel fand ich ebenfalls toll! Aber obwohl ich so ein großer Katzenfan bin, weiß ich nicht, ob ich nochmal wegen der Katzen hinfahren würde. Ich fand den Charme dieser kleinen Insel einfach viel spannender!

Seit kaum noch Menschen auf Tashirojima leben, kann sich die Natur langsam ihr Territorium zurückerobern.

Das Manga-Museum hat mir sehr gut gefallen und ich bin froh, dass wir da noch spontan hin konnten. Das Museum ist allerdings komplett auf Japanisch. Meiner Meinung nach kann man dort trotzdem seinen Spaß haben, wenn man sich für die Materie interessiert.

5 Kommentare

  1. Andre
    19. November 2017 / 11:43

    Ishinomaki und Matsushima fand ich ja total toll, einfach von der ganzen Atmosphäre her. =)
    Ersteres hat aber wohl extrem krass unter dem Tsunami gelitten, daher kA inwiefern sich das Stadtbild verändert hat. Auf Google Maps kann man vermuten, dass sie einfach den einen oder anderen Stadtteil komplett platt gemacht haben.
    Matsushima und Umgebung waren mit dem Rad ziemlich wunderbar, weil es viele schöne Strände, Fischerdörfer und -hütten gab.

    Bei der Katzeninsel hatten wir ja so unsere Zweifel (genau wie bei diesem Fuchsdorf), weil man immer mal liest, dass das durch die Menge an Tieren ziemlich deprimierend sein kann, zumal sich bekanntlich kein Schwein in Japan für Tierschutz interessiert. Ich lese aber jetzt heraus, dass das zumindest auf dieser Insel kein Problem war?

    Gute Reise weiterhin! =) Ich würde euch übrigens auch einen ausgedehnten, ruhigen Stadtbummel durch Sendai empfehlen. Irgendwie mochte ich den Stadtkern sehr gern, weil er so lebendig war, ohne gleich in Richtung Tokyo und Co. zu gehen.

    • Tiffany ティファニー
      Autor
      21. November 2017 / 11:24

      Das habe ich auch zu Ishinomaki gelesen…die Stadt ist mit am heftigsten getroffen worden. Davon haben wir während unseres kurzen Besuchs nicht mitbekommen (vieles sah sehr schön und gepflegt aus), aber einen Vergleich haben wir auch nicht.

      An der Küste entlang fahren ist richtig toll! Meistens flacher als im Landesinneren und die Fischerdörfer sind so schön!

      Deswegen hat mir die Katzeninsel auch so gut gefallen! Dort waren auch viele kleine Hütten und schöne Strände! Wir haben auch noch ein paar andere Inseln besucht und diese kleinen ländlichen „Fischerei-Inseln“ sind einfach nur toll! Hätte ich vorher nie gedacht, dass mir die so gut gefallen!

      Ich denke, ich aktualisiere irgendwann den Beitrag nochmal, wie ich das mit den Tieren empfand (bei meinem nächsten Beitrag zum Fuchsdorf hab ich nun sofort was dazu geschrieben). Also grundsätzlich hatte ich das Gefühl, die meisten Touristen gehen sehr respektvoll mit den Katzen um. Einige Katzen sahen allerdings ein wenig kränklich aus und das tat mir etwas weh das anzuschauen.

      Ich kenne mich nur mit dem Verhalten von Hauskatzen aus. Auf der Insel leben sie ja „in freier Wildbahn“ und einige Katzen konnte ich irgendwie nicht einschätzen. Sie haben sich für mein Empfinden „unberechenbar“ verhalten. Nicht aggressiv oder so, aber sie haben einen so eindringlich angestarrt und haben „untypische Laute“ von sich gegeben (aber nur einige).

      Ohje, keine Ahnung, ob das irgendwie Sinn ergibt 😅 Ich bin da auch nicht so der Experte! Ich hatte aber das Gefühl, dass die Katzen dort gut behandelt und gepflegt werden. Da es eben Straßenkatzen sind, sind Erkrankungen und Verletzungen wahrscheinlich normal!

      Danke 🙂 Wir sind momentan schon „etwas“ weiter, aber wir haben heute erst darüber geredet irgendwann nochmal nach Sendai zu fahren. Ich glaube unsere Wohnung hat viel dazu beigetragen, dass wir unseren Aufenthalt dort nicht soooo gut fanden.

      • Andre
        21. November 2017 / 14:36

        Also, ich sag mal so, Sendai ist jetzt auch nicht DER HAMMER ™ … 😀 Wenn ihr schon weiter seid, lasst es ruhig hinter euch. Ich mochte die Innenstadt, weil sie echt so eine atmosphärische Mischung aus Großstadt und Kleinstadt abgibt, also genau richtig für einen netten Nachmittag, aber nichts, was man nicht auch woanders kriegen könnte.
        Von den Vorstädten reden wir mal lieber nicht, die sind purer Beton-Cyberpunk. ^^

        Danke für die Rückmeldung zu den Tieren!

  2. Schlomo
    19. November 2017 / 21:35

    Eine weitere der drei schönsten Landschaften ist Miyajima – was ist denn die dritte?
    Von der Katzeninsel hatte ich glaube auch schon mal gelesen.

    Und cool mit dem Manga-Museum! Vor allem die Conan Ausstellung 😮

    Aber Tiffy, wo sind denn mal Fotos von dir? 😉

    • Tiffany ティファニー
      Autor
      21. November 2017 / 11:32

      Genau! Miyajima (wo wir gerade in diesem Augenblick sogar sind ;)) gehört dazu!

      Die letzte ist Amanohashidate, ein bewachsener Sandstreifen südlich von Osaka, Kyoto etc. Leider viel zu weit ab von unserer Route. Hol ich vielleicht irgendwann mal nach 🙂

      Extra für dich hab ich ein Selfie in den nächsten Beitrag gepackt <3

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