Yamagata und Yamadera – Radtour durch Japan Teil 17

Nach unserem Ausflug zum Fuchsdorf steuerten wir unser nächstes Ziel an: die Stadt Yamagata 山形 in der gleichnamigen Präfektur.

Die Präfektur liegt im Landesinneren von Tōhoku 東北地方 und verzaubert mit wunderschönen Bergketten, welche die Städte und Dörfer einrahmen. Im Winter, wenn der Schnee die bergige Landschaft beherrscht, locken Skigebiete die Touristen an. Im Nachgang kann man seine müden Knochen in einem der vielen Onsen 温泉 (heiße Quellen) ausruhen.

 

Luxuriöses Haus und chinesischer Tee

Erste Anlaufstelle zum Erkunden der Präfektur war unsere Unterkunft in der Stadt Yamagata. Auch dieses Mal entschieden wir uns für einen Schlafplatz über Airbnb.

Wir hatten ein Zimmer bei einer chinesischen Gastfamilie gebucht. Das Haus war riesig, modern und einfach nur schön! Ich kann euch leider keine Fotos zeigen (außer von unserem Zimmer, was im Gegensatz zum Rest des Hauses recht nichtssagend aussieht), da ich nicht überall mit meiner Kamera in einem bewohnten Haus herumrennen wollte. Aber glaubt mir: es war traumhaft!

Unser Zimmer: Futon 布団 (japanische Matratze) auf Tatami 畳 (Matten aus Reisstroh – der Fußboden).

Besonders das Teezimmer hat mir mit seiner atmosphärischen Einrichtung sehr gut gefallen, und lud einfach zum Entspannen ein. Die Eigentümer konnten leider kein Englisch, aber irgendwie konnten wir uns beim Teetrinken doch mit Händen und Füßen verständigen.

Aussicht vom Balkon aus.

Die ganze Wohngegend war ein Traum (und wahrscheinlich super teuer)! Von unserem Balkon aus konnten wir über die hügelige Stadt und die malerischen Felder bis auf die riesigen Berggipfel der Präfektur schauen.

Durch die Nachbarschaft.

Wir haben uns uns in Yamagata selbst gar nicht so viel umgesehen, aber die Stadt strahlt einen besonderen Charme aus, der mich sofort umgehauen hat! Das lag wahrscheinlich an den Bergen: ich liebe Berge, und es macht mich einfach glücklich sie in der Ferne zu sehen.

 

Mystische Tempelanlage in den Bergen

Nachdem wir unseren Ankunftstag mit einer Tasse chinesischen Tees haben ausklingen lassen, fuhren wir am darauffolgenden Tag nach Yamadera 山寺. Vom Bahnhof in Yamagata braucht man nur 20 Minuten mit dem Zug dorthin.

Hier wollten wir uns den Tempel Ryūshaku-ji 立石寺 (oft auch einfach nur „Yamadera“ (Bergtempel) genannt) anschauen. Wie dieser zweite Name bereits vermuten lässt, liegt die Anlage auf einem Berg, der nur ca. fünf Minuten vom Bahnhof entfernt liegt.

Der Weg zum Berg ist voller kleiner Souvenirläden und Restaurants, die zum Bummeln einladen.

Jizō-Figuren 地蔵 mit roten Kappen und Lätzchen.

Vor dem Aufstieg fanden wir die Statue des berühmten Dichters Matsuo Bashō 松尾 芭蕉 vor, der als bedeutender Vertreter des japanischen Gedichts, dem Haiku 俳句 gilt.

Matsuo Bashō (1644-1694)

Über seinen Besuch in Yamadera schrieb folgendes Haiku: „閑さや 岩にしみ入る 蝉の声“ (ah this silence / sinking into the rocks / voice of cicada). Dieses verewigte er in seinem Werk Oku no Hosomichi 奥の細道 („Auf schmalen Pfaden ins Hinterland“), ein Reisetagebuch über seinen Weg durch den Norden Japans.

Der steile Weg nach oben.

Nun war es an der Zeit den Berg zu erklimmen! Ganze 1000 Stufen zählt der Weg bis nach oben. Aber es lohnt sich!

Überall sind kleine Figuren zu finden.

Merkwürdig anmutende Felsen kann man auf seinem Pilgerweg gen Berggipfel bestaunen, ebenso wie mysteriöse Schnitzereien, die so alt wirken, dass sie bereits mit der Natur zu verschmelzen scheinen.

In den bizarren Felsformationen finden sich immer wieder Löcher.

Der Wind pfiff durch die riesigen Baumwipfel und die ganze Atmosphäre, die diesen mystischen Ort heimzusuchen schien, ließ den steilen Aufstieg gar nicht mehr so schlimm erscheinen. Nein, eher wunderbar beruhigend.

Während unserer meditativen Reise nach oben, fanden wir auch sehr groteske Figuren:

Ihr Zuhause war ein kleiner moosbewachsener Schrein, dessen Name, Ubadō 姥堂, auf einem Schild daneben stand. Den Rest des Schildes konnte ich leider nicht lesen, aber diese skurrilen Figuren erinnerten mich doch irgendwie an Osore-zan 恐山.

Das Tor Niomon 仁王門.

Oben befanden sich noch weitere Tempel. Die ganze Anlage wirkte wie eine kleine, malerische Stadt, von der man einen wahnsinnig schönen Ausblick auf die im Tal liegende Stadt sowie die Berge genießen kann.

Die Gebäude der Tempelanlage liegen verstreut zwischen den Felsen.

Hier oben haben wir auch etwas Herbstlaub (wir waren Ende September dort) zwischen all dem Grün entdecken können:

Die beste Aussicht hat man übrigens vom Godaidō 五大堂 aus, einem Pavillon am Rande einer Klippe. Um dorthin zu gelangen, muss man erneut ein paar Stufen nach oben gehen.

Im Godaidō.

Für den Aufwand wurden wir aber schnell wieder entschädigt. Das Panorama war wirklich atemberaubend!

Nachdem wir die Aussicht genossen hatten, gingen wir den Weg wieder nach unten, und fuhren prompt zurück in unsere Unterkunft in Yamagata.

 

Fazit

Ich finde die Stadt Yamagata wirklich wunderschön und ich habe mich sehr wohl dort gefühlt – unsere Unterkunft sowie deren Lage hat hier aber sehr wahrscheinlich auch einen großen Beitrag geleistet. Die Stadt selbst hat nicht viele Sehenswürdigkeiten zu bieten, weswegen ich einen Besuch nur bedingt empfehlen würde. Als Ausgangsbasis für Tagestouren in die Präfektur eignet sich die Stadt jedoch hervorragend (und ohne zu viel zu spoilern: bisher ist Yamagata eine meiner liebsten Präfekturen Japans)!

Yamadera und seine Tempelanlage in den Bergen ist bisher die schönste Anlage, die ich in Japan besuchen durfte. Sie ist sehr atmosphärisch und obwohl sehr viele Touristen diesen Pilgerweg in Angriff nehmen, strahlt der Ort so eine angenehme Ruhe aus.

Viele Tempel in Japan, die ich als sehenswert bezeichnen würde, sind sehr prunkvoll und spektakulär. Die in Yamadera sind es nicht. Es ist einfach diese naturverbundene Ausstrahlung des Ortes, die den Berg und seine Tempel so besonders machen. Etwas, das (zumindest von mir) auch nicht in Worten oder Bildern richtig zum Ausdruck gebracht werden kann.

3 Kommentare

  1. Andre
    24. November 2017 / 15:40

    Echt beeindruckend(e Bilder)!

    Sagt mir gar nix der Ort, ist mir offenbar völlig entgangen. ^^ Wird gemerkt!

  2. Beate
    24. November 2017 / 20:15

    Tiffy, ich verfolge Deine Berichte immer voller Spannung – Wahnsinn, was Du alles erlebst. Ehrlich beneidenswert 🙂 Mich würden interessieren, ob ihr auf Euren vielen Touristen begegnet – oder eher die einzigen „Exoten“ seid …
    Ganz liebe Grüße

    • Marcel マルセル
      28. November 2017 / 0:12

      Wie vielen anderen Touristen wir über den Weg laufen, hängt stark davon ab, wo wir uns so rumtreiben. Abseits der Metropolen sind wir aber tatsächlich häufig die einzigen Nichtjapaner, und auch in vielen „bekannteren“ Orten treffen wir mehr japanische Touristen als Ausländer. Umso interessanter ist es dann natürlich, wenn man wirklich mal jemand anderem begegnet, und sich wundert, welche Umstände wohl diese Person an diesen entlegenen Ort führten. 🙂

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