Herunterfahren und Neustart

Wow, ich bin jetzt schon sechs Monate in Japan. Silvester war nicht nur ein Abschied von 2017, nein – dieser Tag markierte auch den Mittelpunkt meines Auslandjahres.

Und nicht nur das: nun ist Schluss mit dem Reisen.

Aber erstmal von Anfang an: Im Dezember haben wir unsere Radtour durch das Land beendet (es stehen allerdings noch viele Geschichten und Erlebnisse dieser Zeit aus, von denen ich nach und nach hier auf dem Blog berichten werde) und uns eine Wohnung in der Nähe von Tokio 東京 gemietet. Ursprünglich wollten wir eigentlich direkt nach Tokio ziehen, aber das ist eine andere Geschichte (ich werde noch in einem gesonderten Beitrag über unsere Wohnung berichten).

Wir konnten unsere Rucksäcke auspacken und unsere Kleidungsstücke, die wir mittlerweile an einer Hand abzählen konnten, einräumen. Unsere Fahrräder klappten wir ebenfalls zusammen und verstauten sie im Schrank.

War schon ein tolles Gefühl.

Ich habe kein Problem damit, aus einem Rucksack zu leben und von Ort zu Ort zu reisen. Irgendwie habe ich mich in (fast) allen Unterkünften zu Hause gefühlt, was mich ehrlicherweise sehr überrascht hat. Trotzdem war es befreiend, die Rucksäcke nun für eine längere Zeit komplett zu entleeren und etwas Alltag in sein Leben zu lassen.

Und wir waren sogar shoppen! Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht so gerne einkaufen gehen – vor allem keine Kleidung. Auf den letzten Wochen der Radtour habe ich allerdings aufgrund der Temperaturen jeden einzelnen Tag dasselbe getragen. Da war es schon eine angenehme Abwechslung, mal wieder andere Kleidung tragen zu können!

Was ebenfalls auf unserer Einkaufsliste stand war eine Switch, Nintendos neuste Konsole! Diese war allerdings im Dezember gar nicht mehr so leicht aufzutreiben. Wegen Weihnachten? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, denn Weihnachten wird in Japan nicht so gefeiert, wie wir es aus Deutschland kennen. Es ist kein Feiertag und eher ein Fest für Paare. Stattdessen wird hier Neujahr viel familiärer gefeiert als bei uns.

Um an eine Switch zu gelangen, mussten wir deshalb an einer Verlosung teilnehmen. Dafür mussten wir uns an einem Sonntagmorgen um 06:00 Uhr in die Schlange vor einem Elektromarkt anstellen und bis 08:30 Uhr ausharren. Dann bekam jeder ein Los, und um 11:00 Uhr wurde dann schließlich bekannt gegeben, wer sich eine Switch mit seinem Los kaufen darf. In diesem Moment habe ich mich richtig wie ein Teil der japanischen Gesellschaft gefühlt, denn Japaner stehen ständig Schlange! Und nun… stand ich auch in einer, und hoffte auf mein Glück. Letztendlich hat es dann auch geklappt, und wir konnten uns eine der begehrten Konsolen sichern (und haben dann das Haus wochenlang nicht verlassen, weil wir süchtig waren)!

Wenn ich nicht gerade in Videospielen versinke, gibt es nur eine annehmbare Alternative für mich: Wandern!

Wenn wir uns dann mal von der Konsole trennen konnten, trafen wir uns im Dezember auch noch mit Freunden – ein bisschen frische Luft und soziale Interaktion muss ja auch mal sein! Über die guten alten Social Media-Kanäle habe ich dann auch eine neue Freundin kennengelernt, die momentan ebenfalls mit einem Working Holiday-Visa hier ist. Ihr Name ist Michelle und sie erzählt von ihren Abenteuern auf YouTube. Wer Lust hat bei ihr mal vorbei zu schauen, findet ihren Kanal übrigens hier: Kirsche und Ahorn.

Zusammen mit einem weiteren Deutschen, Benedikt, waren wir dann oft in Tokio unterwegs und haben viele gute Sachen gegessen wie Burger, Ramen ラーメン (Nudelsuppe)…

…oder Cupcakes bei Brown Sugar 1st. Der Winterspeck kann kommen!

Außerdem sind wir zum Takao-san 高尾山 gefahren und haben diesen Berg westlich von Tokio bestiegen (was übrigens jetzt mein drittes Mal war!). Es war aber mittlerweile schon Ende Dezember, und dementsprechend sehr kühl dort oben (der Berg ist 599 Meter hoch). Allerdings ist im Winter auch die Wahrscheinlichkeit am größten, von dort aus den Fuji-san 富士山 zu sehen und wir hatten Glück!

Es war wunderschön den Sonnenuntergang zu beobachten… und kurz darauf wurde es auch sehr schnell stockfinster, und wir sind im Dunkeln wieder hinabgestiegen. Zum Glück hatte Benedikt eine Stirnlampe dabei.

Und dann stand auch schon Silvester vor der Tür! Ein weiterer Freund aus Deutschland, der mittlerweile auch hier in Japan wohnt, hat uns über den Jahreswechsel in Tokio besucht. Zusammen mit Michelle, Benedikt und einigen anderen Leuten feierten wir beim Karaoke カラオケ bis in den Morgen hinein. Am nächsten Tag waren unsere Stimmen vor Heiserkeit nicht wieder zu erkennen.

Von dieser legendären Nacht ist nur dieses eine Foto übrig geblieben. Der Anfang vom Ende quasi.

Traditionelle japanische Süßigkeiten, oder auch Wagashi 和菓子 genannt, die wir zum Jahreswechsel gegessen haben.

Ja, und so schnell ging die erste Hälfte meines Japan-Jahres dann auch um. Mittlerweile haben wir uns zu Hause eingelebt und auch so etwas wie einen Alltag. Seit letzter Woche arbeitet Marcel nun sogar und ich bin ebenfalls dabei, meinem Alltag mehr Struktur zu verpassen.

Ich bin gespannt, was 2018 so für uns bereit hält! Und wem ich es noch nicht persönlich gesagt habe: „Frohes Neues!“

2 Kommentare

  1. Bettina Bosecker
    16. Januar 2018 / 18:15

    Liebe Tiffy,
    Ich wünsche Dir und Marcel (unbekannterweise) auch ein frohes neues Jahr.
    Genieße Deine 2. Hälfte Deines Japan-Jahres. Und kommt gesund und munter wieder Heim.
    Ich freue mich schon auf Deine weiteren Blog-Einträge.
    Ganz liebe Grüße aus der Heimat
    Bettina

    • Tiffany ティファニー
      Autor
      23. Januar 2018 / 9:29

      Dankeschön, Bettina!
      Liebe Grüße aus dem verschneiten Japan 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.