Okama-Krater und Kaminoyama Onsen – Radtour durch Japan Teil 19

Nach unserem erlebnisreichen Wochenende in den drei heiligen Bergen von Dewa 出羽三山 wollten wir den darauffolgenden Tag etwas entspannter angehen.

Morgens fuhren wir mit unseren Rädern zunächst nach Kaminoyama Onsen かみのやま温泉, einer kleinen Stadt gespickt mit heißen Quellen, mitten in den Bergen Yamagatas 山形.

Doch bevor wir es uns in einem heißen Bad gut gehen ließen, wollten wir zunächst noch einen kleinen (gemütlichen) Ausflug in die Berge starten!

 

Anreise – Der Weg in die Berge

Beim Bahnhof in Kaminoyama Onsen ketteten wir unsere Räder an und sperrten die Rucksäcke in ein Schließfach.

Wir wollten uns den Kratersee Okama 御釜 auf dem Vulkan Zaō 蔵王山 anschauen. Das Gebirge liegt zwischen den Präfekturen Yamagata und Miyagi 宮城, und Kaminoyama Onsen war für diesen Ausflug der perfekte Startpunkt!

Außerhalb der Skisaison fährt vom Bahnhof nämlich zwei Mal täglich ein kostenloser Bus zum Gipfel Kattadake 刈田岳 (der sich im Gebirgszug von Zaō befindet) und zurück. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde, inklusive einer kurzen Pause an einem Skiresort, in dessen Restaurant sich bei Bedarf stärken kann, wer möchte.

Hinweis: Wer gerne den Ort Zaō Onsen 蔵王温泉 (eine beliebte Onsen-Stadt mit vielen heißen Quellen) besuchen möchte, kann nicht direkt mit diesem Bus dorthin fahren! Durch den Gebirgszug Zaō kann man allerdings schön wandern und einfach weiter nördlich vom Kattadake aus mit einer der anderen Seilbahnen Zaō Onsen erreichen. Da wir diese Tour allerdings nicht gemacht haben, weiß ich nicht, wie viel Zeit diese Wanderung in Anspruch nimmt. Alternativ kann man per Zug auch direkt nach Zaō Onsen (hat ebenfalls einen Bahnhof) fahren und von dort mit der Seilbahn den Okama-Krater besichtigen.

 

Sich dem Horror entgegenstellen

Schon während der Bustour staunten wir zusammen mit den Fahrgästen nicht schlecht: das Gebirge ist atemberaubend! So langsam verfärbte auch hier sich alles in den prächtigen Herbstfarben und von überall her hörten wir nur „Ah“s und „Oh“s. Es war wunderschön!

Die farbenfrohen Berge Japans im Herbst.

Auf dem Parkplatz angekommen, sah ich den Sessellift, der uns das letzte Stück nach oben zum Gipfel bringen sollte. Da packte mich die Angst und ich erinnerte mich an ein altes „Schul-Trauma“:

Im Alter von 15 war ich von der Schule aus beim Skifahren. Ich hatte damals schon etwas mit Höhenangst zu kämpfen, aber es war noch nicht so ausgeprägt wie im Erwachsenenalter. Natürlich mussten wir vor der Abfahrt zuerst auch mit einem Sessellift nach oben fahren. Nun bin ich damals aber dummerweise mit der Jacke an einem dieser Lifts hängen geblieben, als ich gerade aussteigen wollte. Ich habe Panik bekommen, als ich mich losreißen wollte und bin dann einfach „aus dem Lift gefallen“.

Marcel, 27 Jahre, Sessellift-Profi

Als wäre das nicht schon gruselig (und dumm) genug gewesen, nein, als ich mich dann wieder aufstellen wollte, bin ich rückwärts den Abhang runtergefahren. Ich erinnere mich noch heute an jede Sekunde dieses Moments und dachte, ich müsse sterben (naja, ich hatte damals schon einen Hang zur Melodramatik). Das einzig Sinnvolle, das mir in dieser Situation in den Sinn kam, war also mich einfach hinfallen zu lassen, damit ich stoppe. Dabei hab ich mich nach vorne kippen lassen, und irgendwie mein Knie verdreht.

Das ist aber auch noch nicht alles! Ich konnte danach nicht mehr alleine laufen und meine Klassenkameraden mussten mich von der Piste tragen. Und dabei ist das Schlimmste passiert, was einem Teenager in so einer Situation passieren kann! MEINE HOSE IST RUNTERGERUTSCHT und jeder hat meine Unterhose gesehen (ich glaube, es gibt sogar ein Video davon)!!! Der Horror, ich sag‘s euch.

Es war wirklich genau so dumm, wie in irgendeinem beliebigen Teenie-Film, und da dachte ich wirklich: „Meine Zeit ist gekommen, ich muss jetzt abdanken.“

Und das alles wegen einem Sessellift.

Naja, Schwenk aus meiner Jugend. Ich schaute dem Bösen also nach all den Jahren direkt in sein furchtbares Auge, und es gab nur eine Lösung: ich stellte mich meiner Vergangenheit, und bin in dieses furchtbare Höllengerät gestiegen und es war… lustig! Was hatte ich nur all die Jahre verpasst? Ich habe jetzt jedenfalls keine Angst mehr vor Sessellifts.

Beweis-Selfie

(Wie kann man so lange über einen langweiligen Sessellift schreiben?)

 

Der smaragdgrüne Krater

Oben angekommen war es nicht weit bis zum Gipfel Kattadake, den wir in Windeseile bestiegen – wir hatten nicht allzu viel Zeit hier oben, um den kostenlosen Bus wieder zurücknehmen zu können. Wer den verpasst, musste laufen!

Der Gipfel präsentierte einen tollen Ausblick auf die Ebene und die umliegenden Berge. Es gab sogar einen kleinen Schrein, vor dem sich ein Dutzend Menschen tummelten. Das Wetter war herrlich, um uns herum hunderte Berge, die Pflanzen vom Herbst gefärbt… es war einfach großartig!

Das Beste war aber der Kratersee Okama, der in einem wunderschönen Grünton fast unwirklich schimmerte und sich inmitten des Vulkangesteins und der Herbstfarben wunderbar in Szene setzte.

Ich wäre so gerne noch länger oben geblieben (und ich wäre gerne mehr in dem Gebiet herumgewandert), aber da all unsere Sachen in Kaminoyama Onsen auf uns warteten, machten wir uns nach diesem kurzen Abstecher wieder zurück zum Bus.

 

Vorsicht, heiß!

Wir fuhren mit dem Bus also wieder zurück nach Kaminoyama Onsen. Der Ort ist bekannt für sein sehr heißes Wasser und das wollten wir uns nicht entgehen lassen!

Am Bahnhof steht direkt eine große Karte (hier gibt es auch eine), auf der alle Badehäuser eingezeichnet sind. Wir entschieden uns für das Shimo Oyu 下大湯共同浴場.

Das Badehaus stammt aus der Edo-Zeit (1603-1868) und wirkt sehr rustikal und traditionell. Wer zum ersten Mal ein öffentliches Bad in Japan benutzen möchte, dem würde ich nicht das Shimo Oyu empfehlen (außer man mag es wirklich sehr einheimisch)  da gibt es weitaus Spektakulärere mit einer Vielzahl an Bädern, Außenbecken mit Sicht auf die Berge oder Gärten, Massagebäder etc.

Das Shimo Oyu von außen.

Trotzdem hat mir das Bad sehr gut gefallen! Wir waren die einzigen Ausländer dort und haben zusammen mit den heimischen Japanern gebadet und alte japanische Wanderbilder angeschaut. Anders als in größeren Häusern, in denen man oft sehr anonym badet, war es hier sehr familiär und wirkte so, als bestünde der Hauptteil der Besucher aus Stammgästen, die uns tatkräftig alles zeigten und sich mit uns unterhielten. Marcel lernte sogar einen kennen, der uns morgens auf dem Fahrrad anreisen gesehen hatte!

Übrigens: das Wasser war wirklich extrem heiß!

Wer nicht so viel Zeit hat oder nicht so gerne mit anderen zusammen baden geht, kann alternativ auch einem der vielen Fußbäder einen Besuch abstatten. Handtuch nicht vergessen!

 

Fazit

Kaminoyama Onsen und das Badehaus Shimo Oyu waren schön, aber ein Besuch hat mir ausgereicht. Es gibt zwar noch ein paar Sehenswürdigkeiten in der Stadt, die wir uns gar nicht mehr angesehen hatten, aber einen zweiten Ausflug dorthin würden die, aus meiner Sicht, nicht rechtfertigen. Wer ein traditionelles Badehaus mit heimeligen Atmosphäre sucht, ist meiner Meinung nach aber im Shimo Oyu genau richtig!

Es war praktisch, dass von Kaminoyama Onsen aus der kostenlose Bus zum Okama-Krater fuhr, aber wäre ich nicht auf der Radtour gewesen, hätte ich den Besuch anders geplant und wäre von Zaō Onsen aus gefahren.

Den Kratersee Okama kann ich dagegen jedem empfehlen! Es war wirklich wunderschön und auch, wer keine Lust auf eine große Wanderung hat, kann dem Krater einen kurzen Besuch abstatten.

3 Kommentare

  1. Beate
    6. Februar 2018 / 23:03

    Hey Tiffy,
    Schön mal wieder was von Dir bzw Euch zu lesen! Hast uns aber sehr lange warten lassen 🙂
    Genieß die Zeit – ich freue mich schon auf Deinen nächsten Beitrag! !
    LG

    • Tiffany ティファニー
      Autor
      7. Februar 2018 / 8:21

      Hey Beate,

      ich weiß! Ich hab‘ mir mal wieder echt Zeit gelassen 😅 Ich versuche mich zu bessern und mal wieder mehr Einträge zu veröffentlichen 🙂

      Liebe Grüße!

  2. Andre
    7. Februar 2018 / 22:49

    Erstmal Gratulation zum Überwinden dieses Traumas, denn das klingt wirklich, wirklich traumatisch … HOLY FUCK. O_ô Voll gut, dass die Sessellifte dich trotz allem wiederbekommen haben! =D

    Und toll, dass es weitergeht, ich habe eure Berichte etwas vermisst. :3 Ihr seid noch in Tokyo …?

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