Insel Iriomote – Wanderungen durch den subtropischen Urwald

Die Insel Iriomote 西表島 ist die größte der Yaeyama Inseln 八重山諸島 und die zweitgrößte Insel der Präfektur Okinawa 沖縄県.

Das hügelige Inselinnere ist voll von dichtem Dschungel, wilden Flüssen, Mangrovensümpfen und einzigartigen Tieren, die nur hier zu Hause sind. An der Küste findet man wunderschöne Strände und Sand in Form von winzigen Sternen.

 

Anreise

Unsere Anreise zur Insel Iriomote haben wir von der Nachbarinsel Ishigaki 石垣市 aus gestartet, die wir am Vortag erkundet hatten.

Iriomote ist nur mit einer Fähre erreichbar. Auf der Insel gibt es zwei Häfen: Uehara 上原 im Norden und Ohara 大原 im Süden, die beide von Ishigaki aus angefahren werden.

Wir haben die Yaeyama Kanko Fähre um 7:00 Uhr nach Ohara genommen. Die Fahrt dauert ca. 40 Minuten.

Als wir mit der Fähre Iriomote erreicht hattten, suchten wir zunächst einmal eine Karte um uns kurz zu orientieren. Die restlichen Passagiere hatten das Boot derweil zügig verlassen und die Insel wirkte sofort sehr einsam auf uns. Wir waren alleine, keine Menschenseele war noch auf der Straße auszumachen. Vor dem Hafen standen kaum Autos oder Busse. Vermutlich waren wir auch etwas früh dran. Die meisten Inselbesucher buchen eine Tour und werden dann von ihren Guides abgeholt. Wahrscheinlich ist es in dem kleinen Städtchen dann etwas lebhafter.

Wir wollten die Insel aber auf eigene Faust erkunden. In diesem Fall sollte man auf jeden Fall ein Auto mieten. Wir hatten uns, wie bereits auf Ishigaki, für die Vermietung Orix entschieden. Orix ist nicht weit vom Hafen Ohara entfernt zu finden. Wir haben etwa 5 Minuten zu Fuß dorthin gebraucht.

 

Okinawas größter Wasserfall

Durch Iriomote führt nur eine einzige Straße. Vom südlichen Hafen in Ohara fuhren wir an der Küste entlang. Auf der einen Seite konnten wir den dichten Urwald bestaunen und auf der anderen sahen wir die steilen Klippen und das Meer.

Die Statue zeigt die Iriomote-Katze, die nur auf dieser Insel zu finden ist.

Unser erster Halt war eine lange Brücke, von der wir einen Blick auf den Wasserfall Pinaisaraピナイサーラの滝 werfen konnten. Das Wasser fällt 55 Meter weit in die Tiefe und somit ist er der größte Wasserfall in der ganzen Präfektur. Leider konnten wir seinen Anblick nur aus weiter Ferne genießen, da man ausschließlich über das Wasser zu ihm gelangt.

Na, erkennt ihr den Wasserfall? Leider konnten wir nicht näher an ihn heran.

Viele Besucher der Insel buchen dafür eine Tour und fahren mit einem Kanu zu dem Wasserfall. Während so einer Tour kann man auch ganz nach oben zum Wasserfall und hat von dort einen wunderbaren Überblick auf die ganze Insel.

Nachdem wir uns von hier ein wenig den Wasserfall angesehen hatten, führten wir unsere Entdeckungstour weiter fort.

 

Geheimnisvolle Ruinen

Wir fuhren weiter in den Norden der Insel. In der Nähe des Uehara Hafens erstreckt sich der größte Fluss der ganzen Insel: der Fluss Urauchi 浦内川. Auf diesem werden Bootstouren durch den Dschungel angeboten.

Unsere Reise führte uns aber nicht zum Fluss, sondern direkt daneben in den Dschungel. Der Pfad war gut markiert und anfängerfreundlich. Wir liefen nur ca. 20 Minuten, bis wir die verlassenen Ruinen Utara Tankou 宇多良炭坑 fanden.

Diese Ruinen dienten früher dem Abbau von Kohle. Seit über 70 Jahren arbeitet dort nun niemand mehr und die Natur hat sich diesen Ort zurückgeholt. Es ist absolut beeindruckend, wie die Bäume sich ihren Weg durch die alten Gemäuer bahnen.

Die Atmosphäre war einmalig und ich habe mich wie in einem Level in Tomb Raider gefühlt. Die Ruinen waren auch nicht besonders touristisch. Das hat die ganze Wirkung verstärkt.

 

Ein Strand voller Sterne

Danach ging es weiter an den Strand! Wir fuhren zum Hoshizuna no Hama 星砂の浜. Dieser Strand eignet sich hervorragend zum Baden und Schnorcheln, wir sind jedoch wegen seines Sandes hingefahren.

Die einzelnen Sandkörner haben nämlich die Form von kleinen Sternen, die aus den Kalkskeletten der umliegenden Korallenriffe bestehen.

Abenteuer im Dschungel

Wir fuhren wieder Richtung Ohara zurück. Nun wollten wir eine Tour durch den subtropischen Urwald der Insel wagen. Wir wollten zu dem Wasserfall Yutsun ユツンの滝.

Wichtig: es besteht die Gefahr sich zu verlaufen. Die meisten Touristen gehen nur mit einem Guide tiefer in den Dschungel. Man sollte immer jemandem Bescheid geben, welche Route man genommen hat, falls man sich tatsächlich verläuft. In unserem Fall waren das meine Schwester und ihr Freund, die mit uns nach Iriomote gekommen sind, aber nicht mit im Dschungel wandern waren.

Der Eingang in den Dschungel ist direkt an der Straße:

Der Weg durch den Dschungel ist immer mit diesen pinken Bändchen an den Bäumen markiert. Wenn man immer nach ihnen Ausschau hält, wird die Gefahr verringert sich im Wald zu verlaufen.

Wir hatten vorher etwas im Internet recherchiert und gelesen, dass die Tour etwa 1-1,5 Stunden in eine Richtung dauert. Also haben wir meiner Schwester und ihrem Freund gesagt, dass sie uns in ca. 3 Stunden am Eingang abholen sollten.

Wir waren schon ein wenig aufgeregt einfach so alleine in den Dschungel aufzubrechen. Wir dachten, wir würden die ganze Zeit durch das grüne Dickicht laufen und schnell von der Route abkommen, aber der Weg war anfangs erstaunlich leicht zu erkennen und einfach zu passieren.

Nach einiger Zeit wurde der Weg allerdings immer schwieriger. Ich bin froh, dass ich Wanderschuhe anhatte, als wir über Felsen hinwegklettern mussten. Da wir auch durch Flüsse wandern mussten, war es umso besser, dass unsere Schuhe auch wasserdicht waren. Die Wege im Wasser waren oft sehr glatt und wir sind auch ein paar Mal ausgerutscht. Zum Glück sind die Flüsse aber nicht sehr tief.

Nach 1:45 Stunden haben wir leider noch immer nicht den Wasserfall Yutsun erreicht. Wir waren anscheinend langsamer als im Internet angegeben. Da wir nach 3 Stunden abgeholt werden sollten und am gleichen Tag auch noch wieder zurück nach Naha 那覇 auf der Hauptinsel Okinawa fliegen wollten, haben wir uns dann schweren Herzens auf den Rückweg gemacht.

Was übrigens auch nicht zu unterschätzen ist: es ist verdammt heiß auf Iriomote. Besonders mitten im Sommer. Die hohe Luftfeuchtigkeit lässt die gefühlte Temperatur noch unerträglicher erscheinen. Es ist wichtig auf so einer Tour genügend Wasser dabei zu haben. Ich glaube, ich habe noch nie so heftig geschwitzt wie bei dieser Wanderung, obwohl uns der Urwald schon Schatten gespendet hat.

 

Der Iriomote-Katze so nah

Nachdem wir wieder aus dem Dschungel rauskamen und wir uns dank eines Regenschauers etwas abkühlen konnten, hatten wir noch ein wenig Zeit bevor unsere Fähre zurück nach Ishigaki fuhr.

Meine Schwester und ihr Freund hatten sich während unserer Wanderung das Iriomote Wildlife Conservation Center angesehen und da dieses auf unseren Weg zurück nach Ohara lag, sind wir alle zusammen noch einmal für einen kurzen Abstecher dort hingefahren.

Hier dreht sich (fast) alles um die Iriomote-Katze. Da sie vom Aussterben bedroht ist, sehen auch die meisten Einwohner der Insel diese Wildkatze selten. Überall auf der Insel sieht man immer wieder Warnhinweise, dass man auf den Straßen nicht zu schnell fahren darf, da das seltene Tier oft angefahren wird.

Wer etwas über sie erfahren möchte, kann sich dieses Zentrum einmal genauer anschauen. Der Eintritt ist kostenlos.

 

Abschied von Iriomote

Nach unserem kleinen Ausflug zum Wildlife Conservation Center ging es auch schon zurück Richtung Hafen Ohara. Dort haben wir unseren Mietwagen getankt und abgegeben. Unsere Fähre fuhr um 16.30 Uhr nach Ishigaki zurück. Von da aus sind wir mit dem Bus zum Flughafen gefahren (die Fahrt dauert ca. 40 Minuten) und abends nach Naha geflogen.

 

Fazit

Iriomote ist meine Lieblingsinsel in der Präfektur Okinawa. Ich möchte auf jeden Fall wieder dorthin zurück!

Wir haben lange im Vorfeld überlegt, was wir uns auf der Insel anschauen wollen. Eigentlich wollten wir auch gerne eine Kanu-Tour durch den Dschungel machen. Leider haben wir nur geführte Halb- oder Ganztages-Touren gefunden.

Bei diesen Touren hatten wir allerdings den Eindruck, dass wir nicht all das sehen können, was wir sehen wollten (wie die alten Ruinen Utara Tankou oder genug vom Urwald). Die Halbtages-Touren waren zudem zeitlich sehr ungünstig für uns, da wir am selben Tag ja wieder zurück nach Naha fliegen wollten.

Deswegen haben wir uns dazu entschieden die Insel ohne Guide zu erforschen und so viel mitzunehmen, wie geht.

Im Nachhinein würde ich vielleicht lieber zwei Tage für die Insel einplanen: ein Tag mit einem Guide und ein Tag auf eigene Faust. Vorallem möchte ich noch den Wasserfall Yutsun sehen. Irgendwann werde ich die Wanderung noch beenden!

4 Kommentare

  1. Svenni
    2. August 2017 / 12:43

    Deine Erzählungen und Bilder sind so spannend! Ich hatte vorher gar keine Vorstellung, wie schön und vielfältig Japan ist! Ich freue mich über jeden neuen Blogeintrag hier im regnerischen Bremen. 🙂 Habt noch ganz viel Spaß!

    • Tiffany ティファニー
      Autor
      4. August 2017 / 7:02

      Danke Svenni! Das freut mich sehr ❤️

  2. Petra
    6. August 2017 / 20:06

    Hallo Tiffany,
    ein wirklich toller Blog und wunderschöne Fotos.
    Ihr macht ja eine abenteuerliche Tour, passt gut auf euch auf 🙂
    Mein Sohn lebt mit seinen 23 Jahren schon ein Jahr in Japan, und wird wohl für immer dort bleiben 🙁
    Ich wünsche euch noch eine tolle Zeit.
    Petra.

    • Tiffany ティファニー
      Autor
      18. August 2017 / 17:40

      Vielen Dank, Petra! 😊

      Ich kann verstehen, dass man hier in Japan bleiben möchte. Es ist wirklich ein tolles und interessantes Land! Zum Glück aber auch sehr sicher!

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