Insel Okinawa – der urbane Süden

Die Insel Okinawa Hontō 沖縄本島 ist die größte und gleichzeitig die Hauptinsel der südlichsten Präfektur Japans, die ebenfalls Okinawa heißt. Sie ist etwa 500 km vom Rest Japans entfernt.

Auf der Hauptinsel leben über 80 % der Bewohner Okinawas, und auch die meisten US-Militärbasen der Präfektur sind hier stationiert.

Es herrschen subtropische Temperaturen und es ist das ganze Jahr über warm – unter 10 °C wird es hier nicht.

Okinawa Hontō war einst das Zentrum des Königreichs Ryūkyū 琉球王国. Erst 1871 wurde sie offiziell Teil des japanischen Staates, weshalb noch immer überall in der Präfektur Unterschiede zum Fetsland auszumachen sind, die sich zum Beispiel in der Sprache oder der lokalen Küche widerspiegeln.

In diesem Beitrag schreibe ich etwas über den Süden von Okinawa Hontō.

 

Die Hauptstadt Naha

Der südliche Teil der Insel, in der auch die Hauptstadt der Präfektur Naha 那覇 zu finden ist, ist dicht besiedelt. Dort befindet sich der Verkehrsknotenpunkt, um zu benachbarten Inseln der Präfektur weiterzureisen, entweder mit dem Flugzeug oder mit unterschiedlichen Fähren. In Naha haben wir auch unsere erste Unterkunft bezogen. Wir haben uns übrigens ein Mietauto besorgt um uns die Insel anzusehen. Die Sehenswürdigkeiten sind jedoch auch per Bus (oder in Naha selber mit der Einschienenbahn) zu erreichen.

 

Abendlicher Stadtbummel

Wer Lust auf ein bisschen Großstadtfeeling hat, kann die Kokusaidori 国際通りerkunden. Besonders abends macht es Spaß durch die mit Neonlichtern gefüllte Einkaufsmeile zu streifen.

Es gibt hier Bars, Clubs, Restaurants und massenweise Souvenirstände, an denen man wirklich sonderbare Dinge kaufen kann:

Habushu ハブ酒 – alkoholisches Getränk, in dem die auf Okinawa heimische Schlange Habu eingelegt wurde.

Ich hab‘ mich (leider) nicht dazu überwinden können, diesen Schnaps zu probieren!

Wer sich dann noch etwas von der Hitze abkühlen möchte, kann sich unter den vielen unterschiedlichen Geschmacksrichtungen von Blue Seal ein Eis aussuchen. Blue Seal-Eis wird nicht nur in Naha verkauft, die Kette stammt allerdings aus Okinawa und ist hier zu Hause. Wir konnten überall verteilt auf der Insel kleine Filialen oder unabhängige Händler finden, die verschiedene Sorten aus dem umfangreichen Sortiment anbieten.

Ich liebe Blue Seal! 🖤 Wir haben wirklich ständig irgendwo Halt gemacht um ein Eis zu essen (an einem Tag habe ich sogar drei Mal dort gegessen…)! Besonders gut hat mir Beni-Imo 紅イモ (eine lilane Süßkartoffel-Art) gefallen.

 

Die alte Hauptstadt 

Ursprünglich war Shuri 首里 die Hauptstadt Okinawas. Nun ist es ein Statdteil in Naha. Shuri fiel dem zweiten Weltkrieg zum Opfer und viele Gebäude wurden dabei zerstört. Die Gebäude, die nun hier zu sehen sind wurden rekonstruiert.

In diesem Stadtteil befindet sich auch die namensgebende Burg Shuri 首里城; ehemals Residenz des Herrschers über das alte Königreich Ryūkyū.

Die Burg kann nicht nur von außen bewundert werden. Die Innenräume sind zu einem Museum geworden, durch das man eine kleine Zeitreise in die Epoche des alten Königreichs machen kann.

Hier bekommt man einen Einblick ist das Leben des Königshauses. Besonders den Thron fand ich sehr überwältigend!

 

Ehrlich gesagt hat mir die Hauptstadt Okinawas ansonsten nicht besonders gut gefallen. Es ist sehr grau und wirkt heruntergekommen.

Allzu viel Zeit würde ich hier nicht einplanen. Von Naha aus kann man stattdessen viele Tagesausflüge zum Beispiel an die Südspitze der Insel unternehmen, oder man besucht weitere Inseln wie Tokashiki 渡嘉敷 oder Ishigaki 石垣市.

Der Friedensgedenkpark

An der Südküste von Okinawa Hontō befindet sich der Gedenkpark – der letzte Ort, an dem auf Okinawa gekämpft wurde. Auf dem Gelände befindet sich ebenfalls das Friedensmuseum.

Diese Gedenkstätte soll als Mahnmal für die Menschheit dienen, dass sich ein Krieg niemals wiederholen darf.

Die Parkanlage, die direkt am Meer liegt, ist sehr schön und irgendwie still. Friedlich. Besonders lange haben wir es draußen allerdings nicht aushalten können, da die Sonne unsere Haut schon nach kürzester Zeit verbrannt hatte.

 

Spaziergang durch eine Tropfsteinhöhle

Okinawa World おきなわワールド ist ein ziemlich touristischer Freizeitpark südöstlich von Naha.

In dem Park findet man ein traditionelles Dorf im Stil der alten Ryūkyū-Kultur. Dort kann man einen wunderbaren Einblick darüber bekommen, was das einstige Königreich vom heutigen Japan unterscheidet. Besonders gut gefallen hat mir die musikalische Untermalung in jenem kleinen Dorf, die einen sofort in der Zeit zurückwirft. Hier auf Okinawa hört man oft den Klang der Sanshin 三線, einem Vorfahren des Shamisen 三味線. Es ist wirklich wunderschön anzuhören und sehr atmosphärisch.

Außerdem konnten wir bei hier beim Eisa エイサー zuschauen, einem okinawischen Volkstanz.

Eine weitere Attraktion ist ein Museum, das der Schlange Habu gewidmet ist, die auf der Insel lebt.

Unser eigentliches Ziel dieses Parks war aber die Tropfsteinhöhle Gyokusendo 玉泉洞. 850 Meter sind für die Öffentlichkeit zugänglich, die Höhle geht aber noch viel weiter.

Ich war vorher noch nie in einer Tropfsteinhöhle und im ersten Augenblick war ich mir auch nicht so sicher, ob meine Erwartungen erfüllt werden. Aber umso tiefer es in die Höhle ging, desto besser gefiel es mir! Es war wirklich sehr beeindruckend und dieser Ausflug zwischen Stalagmiten und Stalaktiten hat mir sehr gut gefallen. Die Höhle ist übrigens wie der Rest des Parks sehr überfüllt mit Touristen.

 

Die Heilgtümer Ryūkyūs

Im Südosten der Insel befindet sich Sefa Utaki 斎場御嶽. Dies ist ein sakraler Ort für Gebete, inmitten dichter grüner Berge. Diese heilige Stätte ist direkt am Meer gelegen.

Bevor man das Heiligtum erkundet, kann man sich einen kleinen Film (auch auf Englisch) zu Sefa Utaki anschauen.

Ein einfacher Wanderweg führt hier zu verschiedenen Steinformationen des Heiligtums. Der Ort strahlte eine stille, friedliche Atmosphäre aus. Es war ein wenig touristisch, aber trotzdem ruhig und sehr schön.

 

Durch die Ruinen längst vergessener Schlösser

Nordöstlich von Naha liegen die Trümmer des Schlosses Nakagusuku 中城城. Das Schloss stammt ebenfalls aus den Zeiten des Königreichs Ryūkyū, allerdings findet man hier noch die Überreste.

Sobald wir das Gebiet betreten und den Eintritt bezahlt hatten, wurden wir mit einem kleinen Auto den Hügel hochgefahren. Und da sahen wir sie auch schon: die alten Gemäuer aus vergangenen Zeiten, die komplett verlassen vor uns lagen.

Die Ruinen haben mir mit Abstand am besten im Süden der Insel gefallen! Wir haben uns alle wie kleine Abenteurer gefühlt beim Erkunden der alten Trümmer: überall riesige Mauern, die man teilweise sogar erklimmen konnte und tiefe, dunkle Abgründe, die es zu entdecken galt.

Das Beste an unserer kleinen Tour: wir waren komplett alleine (okay, manchmal haben wir im Hintergrund einen Mann auf einem Rasenmäher singen hören)! Ich finde sowas wertet solch ein Erlebnis total auf! Die Ruinen waren überhaupt nicht überlaufen. Ganz zum Schluss kam noch ein älteres Ehepaar dazu, ansonsten hatten wir den ganzen Platz für uns!

 

Fazit

Wir waren drei komplette Tage in Naha. Einen Tag davon haben wir den Tagesausflug zur Insel Tokashiki gemacht. Und diese Zeit reicht komplett für die Hauptstadt und den Süden der Insel.

Was ich auf jeden Fall empfehlen würde um einen Eindruck von Okinawas Kultur zu bekommen, ist das Schloss Shuri und die Überreste von Nakagusuku. Wir haben uns übrigens auch noch andere Schlossruinen auf Okinawa Hontō angesehen, aber Nakagusuku war besser und weniger überlaufen! Die beiden Sehenswürdigkeiten kann man sich auch gemütlich an einem Tag ansehen, falls man nur einen Tag in der Hauptstadt verbringen kann / möchte.

Ansonsten haben mir auch die anderen hier beschriebenen Sehenswürdigkeiten gut gefallen und je nachdem, was man mag und wie viel Zeit man in Naha und Umgebung verbringen möchte, kann man seine Wunschliste damit noch weiter auffüllen.

Und auf jeden Fall bei Blue Seal Eis essen gehen! ( ͡° ͜ʖ ͡°)

Ansonsten würde ich die Zeit auf Okinawa eher woanders verbringen und entweder weiter Richtung Norden fahren oder gleich die anderen umliegenden Inseln erkunden.

2 Kommentare

  1. Schlomo
    9. August 2017 / 18:57

    Ich freu mich schon auf Milky Way 😀

    • Marcel マルセル
      11. August 2017 / 8:04

      Oh, die Süßspeiseausraster werden glorreich werden. <3

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