Noboribetsu – Radtour durch Japan Teil 3

Am 4. September ist Marcels Geburtstag. Da wir nur mit Rucksäcken und unseren Fahrrädern unterwegs sind, wollten wir uns nichts Materielles zum Geburtstag schenken, sondern haben stattdessen vereinbart, dass der jeweils andere den Tag mit Unternehmungen aller Art gestaltet.

Marcel wusste also bis zu diesem Tag nicht, was wir machen. Hehe. ( ͡° ͜ʖ ͡°)

Früh morgens sind wir von Chitose 千歳 nach Noboribetsu 登別 aufgebrochen. Da der Weg etwas lang war und wir ja auch noch einiges machen wollten, sind wir ein Stück mit dem Zug gefahren, und den Rest dann mit dem Fahrrad.

Mittags sind wir dann in Noboribetsu angekommen. Es ist ein kleiner überschaubarer und gut besuchter „Onsen-Ort“, der voll von Dämonenstatuen (die zum Beispiel für Glück im Beruf oder in der Liebe stehen) ist und in dessen Luft der Geruch von Schwefel mitschwingt. Außerdem finden sich hier viele Hotels, Souvenierläden und Restaurants.

 

Die Hölle auf Erden

Zuerst wollten wir uns Jigoku-dani 地獄谷, das Höllental, ansehen. Innerhalb weniger Gehminuten vom „Stadt-Kern“ entfernt findet man sich oberhalb des kleinen Ortes inmitten von schwefelhaltigen Gasen, zischendem Rauch und roten Felsen wieder.

Es riecht übrigens echt extrem nach Schwefel! Ich bin nicht so empfindlich, deswegen war das für mich total in Ordnung, aber andere sind dafür vielleicht etwas empfänglicher.

Jigoku-dani ist der „Hauptlieferant“ für die Onsen 温泉 in Noboribetsu, ebenjene heiße Quellen, in denen man baden kann.

Hier kann man entspannt etwas Zeit beim Wandern verlieren und sich von dieser kleinen Hölle verzaubern lassen.

 

Entspannung beim Fußbad

Wenn man etwa 30 Minuten von Jigoku-dani weiterläuft, findet man den Oyu-numa 大湯沼, einen dampfenden, mit heißem Wasser gefüllten See, der wirklich beeindruckend aussieht!

Der beeindruckende Oyu-numa

Sein „kleiner Bruder“, Oku-no-yu 奥の湯, ein etwas kleinerer See ist direkt daneben zu finden. Die Farbe des Wassers hat mir sehr gut gefallen! Das Blau kam hier noch besser raus, als bei dem größeren Oyu-numa.

Wenn man weiter der Straße folgt, gelangt man an einen Fluss, der auch mit heißem Wasser gefüllt ist.

An einer Stelle kann man sogar ein kostenloses Fußbad nehmen. Das war wirklich Entspannung pur!

 

Aufenthalt in einem japanischen Onsen-Hotel

Es folgte das Highlight unseres Aufenthaltes in Noboribetsu und Marcels Geburtstag: unsere Unterkunft!

Ich hatte bereits in Deutschland eine Nacht im Dai-ichi Takimotokan 第一滝本館 gebucht. Zugegebenermaßen war es echt teuer… aber der Aufenthalt hat sich sowas von gelohnt!

Unser Zimmer war im japanischen Stil eingerichtet und riesig! Wir hatten einen großen Hauptraum mit einem Fernseher, einem großen Tisch und zwei Sitzkissen sowie einen kleineren Nebenraum mit Sofa, Sessel und einen weiteren Tisch. Dazu eine Badewanne und Dusche, einen abgetrennten Raum für die Toilette, riesige Schränke (für japanische Verhältnisse) und eine Minibar. Das Zimmer war ein wahrer Traum!

In japanischen Zimmern gibt es übrigens keine Betten, wie wir sie kennen. Der Tisch und die Sitzkissen in dem Hauptraum werden stattdessen zur Seite geräumt und durch einen Futon ersetzt, auf dem man dann schläft.

Der Hauptraum, in dem wir später auch geschlafen haben.

Das Beste an dem Hotel waren aber die Onsen; Bäder, die ihr Wasser aus natürlichen heißen Quellen beziehen (in diesem Fall von Jigoku-dani). Onsen sind Gemeinschaftsbäder, die in den meisten Fällen nach Geschlechtern getrennt sind.

Das Dai-ich Takimotokan verfügt über sieben verschiedene Arten von Bädern! Daher konnten wir es kaum abwarten, alle einmal auszuprobieren. Wir schnappten uns also unsere Yukata 浴衣 (ein traditionelles japanisches Kleidungsstück, das als alltäglichere Variante des Kimonos 着物 gilt) und machten uns auf den Weg.

Bevor man in einen Onsen steigt, muss man sich im gemeinschaftlichen Raum erstmal gründlich waschen. Danach beginnt die Entspannung!

Es gab viele schöne Becken, eines sogar mit Blick auf Jigoku-dani, außerdem eine Sauna und einen Whirlpool. In den Außenbecken konnte man in der Wärme des Bades und der kühlen Brise des Windes entspannen, während man die Sicht auf einen japanischen Garten genoss. Ich konnte leider keine Fotos von dem Bereich machen, da dort natürlich auch noch andere Gäste badeten, aber es war wirklich toll.

Um 18 Uhr gingen wir dann ins Hotel-Restaurant und ich hätte schwören können, dass es eigentlich Buffet hätte geben sollen, aber stattdessen wurden wir in einen Privatraum geleitet und haben bei einem 13-Gänge-Menü das fantastische Essen genossen.

Das Geburtstagskind genießt sein Abendessen im gemütlichen Yukata.

Als wir dann nach einer Stunde und 15 Minuten fertig mit unserem riesigen Abendessen waren und zurück ins Zimmer gingen, war unser Bett bereits aufgebaut. Wir entspannten etwas im Zimmer, gingen nochmal gegen 23 Uhr im Onsen baden und ließen dann langsam den Tag ausklingen.

Übrigens gab es dann das erwartete Buffet zum Frühstück. Es war gigantisch und geil. Es gab sogar Brötchen. BRÖTCHEN MIT KÖRNERN! Ich war im Himmel und nicht in der Hölle.

 

Fazit

Noboribetsu ist toll. Die Sehenswürdigkeiten wie das Höllental sind beeindruckend, aber ein Besuch wird erst dann richtig lohnenswert, wenn man hier auch in einem Onsen baden geht.

Das Dai-ichi Takimotokan kann ich wirklich empfehlen, obwohl es eben auch sehr teuer ist. Es gibt aber auch noch andere Onsen-Hotels, die vielleicht etwas günstiger sind. Viele Hotels bieten zudem tagsüber auch für „Nicht-Gäste“ ihre Onsen zu einem geringeren Preis an. Jeder, der Japan besucht, sollte sich ein Bad in einer heißen Quelle genehmigen. Es ist so entspannend und einmalig! Anfangs war mir erst unwohl dabei mit Fremden komplett nackt zu baden, aber sobald man erstmal im Wasser ist, vergisst man alles um sich herum und genießt einfach nur das erholsame Bad.

2 Kommentare

  1. Schlomo
    13. September 2017 / 21:19

    Coole Fotos! Und bei dem 13-Gänge-Menü wäre ich gern dabei gewesen 😀

    • Tiffany ティファニー
      Autor
      18. September 2017 / 10:05

      13-Gänge…hätte ich das vorher gewusst, hätte ich den ganzen Tag über gefastet 😀

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