Manga-Café vs. Zelt – Radtour durch Japan Teil 10

Nachdem wir aus unserem tollen Airbnb-Zimmer ausgecheckt und gemütlich mit dem Auto durch die Präfektur Aomori 青森 gefahren waren, sollte nun der Ernst des Lebens folgen! (…naja, ganz so ernst war das nun doch nicht.)

Wir kamen also nach unserem kleinen Roadtrip abends im nordöstlich gelegenen Hachinohe 八戸 an und hatten keine Unterkunft gebucht.

„Zeit also, unser neu erstandenes Zelt auszuprobieren (hat immerhin viel gekostet)!“… hätten wir gesagt, wenn wir uns in einem Dorf befunden hätten.

Hachinohe ist aber recht groß, und so entschieden wir unser Glück zum ersten Mal in einem Manga Kissa 漫画喫茶 zu probieren! Den Tipp hatten wir von einem Freund aus Deutschland bekommen, der eine ähnliche Radtour durch Japan gemacht hatte.

Eingangsbereich – links sind Zeitschriften und Manga zum Ausleihen und rechts ist die Getränkebar.

Manga Kissa oder auch Manga-Cafés sind eine Mischung aus Bibliothek und Café mit kleinen abgetrennten Kabinen, die man mieten kann. In diesen Kabinen stehen PCs mit Internetzugang oder Fernseher. Sie sind entweder mit Stühlen oder Matten zum Hinlegen ausgestattet.

Tausende von Manga warten auf einen! (Ich möchte hier gerne einziehen)

Außerdem gibt es natürlich haufenweise Manga (japanische Comics), die man sich ausleihen kann, sowie Gemeinschaftsräume mit Billiardtischen oder Spieleautomaten. Zudem kann man sich während seines Aufenthaltes an der kostenlosen Getränkebar bedienen. Es gibt Wasser, Softgetränke, Kaffee, Tee, Kakao, heiße Suppen, Slush- und Softeis.

Kostenlose Getränkebar.

Hausschuhe, Decken und Kissen können ebenfalls kostenlos in die eigene Kabine mitgenommen werden.

Ansonsten kann man sich noch mit Snacks und heißen Speisen eindecken oder andere Artikel wie Handtücher, Schlafmasken oder sogar Strumpf- und Unterhosen gegen einen Aufpreis erwerben. In einigen Einrichtungen gibt es auch Duschen.

Um eine Kabine mieten zu dürfen, muss in der Regel einmalig eine Mitgliedschaft bei der jeweiligen Kette beantragt werden. Das kostet immer unterschiedlich viel, aber in der Regel um die 300 Yen (ca. zwei Euro). Der Preis für eine Kabine richtet sich nach der Dauer des Aufenthaltes. Wir sind für 12 Stunden geblieben und bezahlten ca. 2000 Yen (ca. 15 Euro) pro Person. Also eine günstige Alternative zu Hotels!

Kabine mit Matte – perfekt zum Schlummern nach einem harten Manga-Lesemarathon!

Ich finde, man kann gut in den Kabinen schlafen. Allerdings bleibt immer ein Licht im Flur an, weshalb es also abends nicht komplett dunkel wird. Mich persönlich stört das nicht so, und Marcel zieht sich einfach immer eine Mütze vor die Augen – alternativ ginge da auch ein Schal. Wie bereits erwähnt kann man bei der Rezeption aber auch eine Schlafmaske kaufen. Außerdem läuft die ganze Zeit Musik und einige Menschen schnarchen… Ohrstöpsel sind also ebenfalls empfehlenswert.

Seit unseres Aufenthalts in Hachinohe haben wir übrigens noch viele weitere Male in Manga-Cafés geschlafen und wir lieben es! Wenn man allerdings länger in einer Stadt bleibt, sind Hotels oder Wohnungen über Airbnb nach Möglichkeit dennoch eher zu empfehlen, da man dort auch sein ganzes Gepäck lassen kann, während man die Stadt erkundet – die zeitliche Begrenzung von Manga-Cafés ist hier am meisten zu spüren. Außerdem ist es auch mal ganz schön, ein richtiges begehbares Zimmer für sich zu haben.

 

Am nächsten Morgen ging es dann mit unseren es Rädern weiter Richtung Norden nach Ninohe 二戸. Hier sollte nun das erste Mal unser Zelt zum Einsatz kommen – diesmal auch tatsächlich!

Mein Brompton mit meinem Rucksack (und Regenhülle – sieht man ja, dass es bald regnet) auf dem Gepäckträger.

Da es keinen Zeltplatz in der Nähe gab, suchten wir uns einfach einen Park aus. Der Park sah tagsüber schon recht verlassen aus. Es gab nur ein paar vereinzelte Wiesen und einen Sportplatz. Nicht mal eine Toilette.

Vor Sonnenuntergang gingen wir in ein öffentliches Badehaus, um uns zu waschen. Die urtümliche Badekultur in Japan ist dafür echt praktisch! Es gibt eigentlich so gut wie in jedem Ort öffentliche Bäder (Sentou 銭湯 und Onsen 温泉). Man muss also nicht verzweifeln, wenn man einmal keinen Zeltplatz mit Dusche findet. Ich denke, zum Thema „Japans Badekultur“ werde ich irgendwann nochmal ausführlicher schreiben.

Auf dem Rückweg wurden dann noch schnell die Zähne auf der Bahnhofs-Toilette geputzt, und dann ging es nach Einbruch der Dunkelheit zurück zum Park. Mit Taschenlampe und einer YouTube-Anleitung gewappnet, konnten wir unser Zelt relativ zügig aufbauen, und dann inmitten der Natur einschlafen.

Ich wachte nachts immer mal wieder auf, weil ich dachte, draußen stünde jemand. Wir hatten vorher im Internet gelesen, dass Camper in Japans öffentlichen Parks manchmal von der Polizei geweckt werden, weil sie dort nicht zelten dürfen (aber immer erst morgens, wenn die Sonne aufgeht, damit man bloß niemanden mitten in der Nacht aufschrecken muss. Hach, du höfliches Japan).

Unser (überteuertes) Zelt, bevor wir es schnell wieder einpackten (nicht, dass doch noch ein Polizist kommt).

Letztendlich ist aber keiner gekommen und als die Sonne aufging, packten wir alles zügig zusammen und fuhren weiter.

Zelten war okay. Manga-Café war aber definitiv besser! Gibt immerhin auch Eis.

10 Kommentare

  1. Andre
    15. Oktober 2017 / 9:57

    Freut mich, dass ihr die Manga Kissas für euch entdeckt habt. 😀 Das da oben sieht aber auch sympathisch aus! Und ja, ich finde auch, man sollte es mindestens mit richtigen Unterkünften abwechseln, und sei es nur, weil es sich sehr rastlos anfühlen kann mit der Zeit. Der soziale Faktor, den man oft in einer Jugendherberge oder bei airbnb & Co. hat, fällt auch ziemlich weg.

    Beim Towada-See hatte ich übrigens auch schreckliches Wetter, das hat mein ganzes Zelt unter Wasser gesetzt und war trotzdem irgendwie beeindruckend. ^_~

    Gute Fahrt!

    • Tiffany ティファニー
      Autor
      22. Oktober 2017 / 3:51

      Danke 🙂 Wir schlafen schon sehr oft in Manga Cafés, aber sobald wir planen länger irgendwo zu bleiben versuchen wir schon „eine richtige Unterkunft“ zu buchen.

      Ich hatte auch schon den einen oder anderen Moment, wo ich einfach nur eine feste Bleibe brauchte und dafür sind die Cafés leider wirklich nicht so geeignet. Trotzdem sind wir so froh, dass du uns den Tipp gegeben hast 😊

  2. Kiki
    15. Oktober 2017 / 15:43

    Ja, schreib einen Artikel zur Badekultur! 🙂

    • Tiffany ティファニー
      Autor
      22. Oktober 2017 / 3:52

      Hihi~ ich hoffe, dass ich bald mal dazu komme über so generelle Dinge zu schreiben ❤️

    • Marcel マルセル
      22. Oktober 2017 / 1:29

      O_O

    • Tiffany ティファニー
      Autor
      22. Oktober 2017 / 3:54

      Ich hab‘ wirklich immer sehr seltsame Schatten nachts gesehen 😱

      …meine Phantasie spielt mir da aber auch oft einen Streich 🤡

  3. Nicole
    18. Oktober 2017 / 18:02

    Also jetzt muss ich auch mal etwas dazu schreiben. Ein Manga Cafe??? In dem Mangas ausgeliehen werden können, kostenlose Getränke bereit stehen und man schlafen kann? Seriously? Ich bin sprachlos! Wieso gibt es so coole Sachen nur in Japan! Nur damit ich das richtig verstehe: für die Kabinen und Snacks muss man bezahlen, aber muss man Eintritt bezahlen oder Mitglied sein um das Cafe überhaupt betreten zu dürfen? Ich würde einfach jeden Tag dort hingehen und den ganzen Tag Mangas lesen („best week ever!“).
    Ah ich merke grad den Fehler an meinen Plan, ich kann kein Japanisch >.< Und so ist der Traum meiner Manga-Reise wieder ausgeträumt.

    Bin gespannt was für coole Sachen ihr noch finden werdet unterwegs!

    • Marcel マルセル
      22. Oktober 2017 / 1:29

      Man zahlt einmalig eine kleine Gebühr für die Mitgliedschaft im Café (etwa 2-3 €), und danach läuft das ganze zeitabhängig – je nachdem, wie lange man dort bleibt. Es gibt Getränke und Eis umsonst, außerdem kann man aber auch Essen gegen Bezahlung bestellen (meistens irgendwelches Fast und Finger Food). Und ja, es wäre schon echt super, wenn man die Mangas auch *lesen* könnte :D. Vielleicht irgendwann!

    • Tiffany ティファニー
      Autor
      22. Oktober 2017 / 3:58

      Ich fühle deinen Schmerz. Jedes Mal wenn ich durch die riesigen mit Manga befüllten Regale schlendere, ist es wie ein Stich ins Herz 😩

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