Mein Reisebegleiter

 

Der Text auf dieser Seite stammt nicht von Tiffany, sondern von ihrem Mitstreiter auf dem atemberaubenden Abenteuer in Japan, Marcel.

Auf die Frage nach meiner prägendsten Kindheitserinnerung kann ich schon seit langem eine klar formulierte Antwort geben – mit Mutti im Kaufhaus an der Kasse, die Spieleverpackung von Pokémon Blau fest in der Hand, und stolz wie Oskar. Ich schätze, dass es mittlerweile eine ganze Menge junger Erwachsener geben dürfte, die eine ähnliche Geschichte erzählen.

Diese Nostalgie, die uns 90’s-Kids™ innewohnt, ist sicherlich der Auslöser für den stetig wachsenden Tourismus ins Land der aufgehenden Sonne, und auch für mich hatte Japan aus diesem Grund mein Erstinteresse geweckt. Jetzt, wo ich vor dem vermutlich größten Abenteuer meines Lebens stehe, weiß ich aber, dass sich hinter Japan weit mehr verbirgt, als die schrille Fassade mitunter glaubend machen möchte.

Klar gibt es sie, diese „lol wtf japan“-Momente. Ich freue mich schon, wieder durch die Neonwüste Akihabara 秋葉原 zu spazieren, im sechsstöckigen Game Center auf Taikos einzudreschen, oder beim Besuch im Horror-Krankenhaus-Izakaya 居酒屋 blutiges Reisomelett aus Nierenschalen zu verputzen.

Es ist aber auch noch viel mehr als das. Mich faszinierte als Tourist der Umgang der japanischen Kultur mit ihren Medien im Allgemeinen, der so fortschrittlich wirkt, weil er in Tradition verankert ist: Die Selbstverständlichkeit, mit der Businessmänner sich in der U-Bahn One Piece gönnen, bevor sie den nächsten Geschäftskunden treffen. Ich möchte eintauchen in die Welt jenseits dieser rosaroten Brille, die sich bei solch einem umwerfenden Land unumgänglicherweise aufdrängen möchte. Mit einem ganzen Jahr als Working Holiday-Inhaber, mit Rucksack auf dem Rücken und Brompton unter’m Hintern, wird dieser Traum wohl endlich wahr. Ein Traum, der das Ergebnis vieler Kompromisse und Anstrengungen sein sollte, und dessen Planung eine ganze Weile angedauert hat.

Wenn man die Schule abgeschlossen, das Studium oder die Ausbildung absolviert, und das Leben gemäß den Erwartungshaltungen der Allgemeinheit begonnen hat, wird der Spielraum für einschneidende Veränderungen im Leben erschreckend schnell erschreckend klein. Im Zuge der Vorbereitungen für dieses Abenteuer wurde mir nicht nur einmal entgegnet, was ich mir denn dabei denken würde, alles schon wieder aufgeben zu müssen, beruflich und privat gleichermaßen.

Es ist die Möglichkeit, dem Alltag für eine Weile zu entfliehen und sein ganz persönliches Märchenabenteuer Wirklichkeit werden zu lassen. Das klingt natürlich sehr dick aufgetragen, aber dennoch ist es dieses Grundmaß an Übermut, das für Tiffany und mich möglicherweise den Grundstein für das Wagnis legen konnte, das wir mit unserer Reise nach Japan eingehen, und von dem sie Dir, lieber Leser, auf diesen Seiten berichten wird.

 

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